Sensorik und Reizverarbeitung
Viele autistische Menschen verarbeiten Sinneseindrücke anders. Reize können deutlich intensiver ankommen oder umgekehrt kaum spürbar sein – oft beides gleichzeitig, je nach Sinneskanal und Tagesform. Das prägt den Alltag stärker, als es von außen wirkt.
Überempfindlichkeit
Geräusche wie Lüftungen, Stimmengewirr oder plötzliche Signaltöne können schmerzhaft laut wirken. Grelles oder flackerndes Licht, bestimmte Stoffe auf der Haut, Etiketten in Kleidung, Gerüche oder Konsistenzen beim Essen sind weitere häufige Auslöser.
Nach längerer Reizbelastung folgt oft Erschöpfung. Bei sehr starker Überlastung kann es zu Zuständen kommen, in denen kaum noch etwas steuerbar ist – das ist keine Absicht und kein Trotz, sondern eine Überlastungsreaktion.
Unterempfindlichkeit
Ebenso möglich ist, dass Reize schwächer ankommen: Schmerz, Hunger, Durst, Kälte oder Müdigkeit werden dann spät oder gar nicht bemerkt. Manche Menschen suchen aktiv nach starken Eindrücken – Bewegung, festen Druck, kräftige Geschmäcker oder Musik.
Feste Trink- und Essenszeiten oder Erinnerungen können hier praktisch helfen, weil das Körpersignal nicht zuverlässig kommt.
Selbstregulation
Wiederkehrende Bewegungen oder Geräusche – oft Stimming genannt – helfen vielen dabei, Anspannung zu regulieren und Reize zu verarbeiten. Sie zu unterbinden nimmt ein wirksames Hilfsmittel weg; sinnvoller ist es, einen passenden Rahmen dafür zu schaffen.
Was im Alltag entlastet
Bewährt haben sich Rückzugsmöglichkeiten mit wenig Reizen, Gehörschutz oder Kopfhörer, gedimmtes Licht, Pausen vor und nach reizintensiven Terminen sowie vorhersehbare Abläufe.
Da die Auslöser individuell sehr verschieden sind, lohnt es sich, gemeinsam zu sammeln, was konkret hilft – und diese Liste immer wieder anzupassen.
