Therapymate – zur Startseite
In akuten Krisen:Telefonseelsorge 0800 111 0 111(kostenlos, anonym)

Frauen und Spätdiagnose

Autismus wird bei Mädchen und Frauen häufig später erkannt als bei Jungen und Männern. Ein wesentlicher Grund ist Camouflaging – das bewusste oder unbewusste Überdecken autistischer Merkmale. Diese Seite erklärt, wie das aussehen kann und was eine späte Einordnung bedeutet.

Was Camouflaging bedeutet

Camouflaging (auch Maskierung) beschreibt Strategien, mit denen autistische Merkmale nach außen weniger sichtbar werden: Blickkontakt bewusst halten, Gesprächsfloskeln einüben, Mimik nachahmen, Reaktionen anderer genau beobachten und das eigene Verhalten daran ausrichten.

Das gelingt oft erstaunlich gut – und genau deshalb wird die zugrunde liegende Anstrengung selten bemerkt.

Warum die Erkennung erschwert ist

Verbreitete Vorstellungen von Autismus orientieren sich stark an Beschreibungen, die bei Jungen häufiger auffallen. Zeigen sich Interessen sozial akzeptierter, wirkt der Kontakt zu Gleichaltrigen unauffälliger oder werden Schwierigkeiten zu Hause statt in der Schule sichtbar, wird eher an andere Ursachen gedacht.

Nicht selten stehen zunächst Ängste, Erschöpfung, Essprobleme oder depressive Verstimmungen im Vordergrund, während die autistische Wahrnehmung unbeachtet bleibt.

Der Preis der Anpassung

Dauerhaftes Maskieren kann zu tiefer Erschöpfung führen, manchmal bis zu Phasen, in denen kaum noch etwas möglich ist. Viele beschreiben zudem das Gefühl, nicht zu wissen, wer sie ohne die Anpassung eigentlich sind.

Räume, in denen Maskieren nicht nötig ist, wirken deshalb oft entlastender als jede zusätzliche Technik zur Bewältigung.

Was eine späte Diagnose verändern kann

Eine späte Einordnung ändert nichts an der Person, aber viel an der Perspektive. Rückblickend werden Muster verständlich, Selbstvorwürfe nehmen häufig ab, und Bedürfnisse lassen sich gegenüber Familie, Freund:innen und Arbeitgebenden klarer benennen.

Der Weg dorthin führt über eine spezialisierte Diagnostik – auch im Erwachsenenalter.