Selbstfürsorge
Jemanden über längere Zeit zu begleiten, ist eine echte Leistung – und sie kostet Kraft. Wer dauerhaft über der eigenen Belastungsgrenze lebt, kann irgendwann nicht mehr gut unterstützen. Selbstfürsorge ist deshalb kein Egoismus, sondern Teil der Begleitung.
Warnzeichen bei sich selbst
Anhaltende Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafprobleme, das Gefühl, ständig in Alarmbereitschaft zu sein, oder der Rückzug aus eigenen Kontakten sind ernstzunehmende Hinweise. Auch wenn Gedanken an die betroffene Person den ganzen Tag bestimmen, ist das ein Signal.
Wenn solche Zeichen über Wochen anhalten, gilt für Sie dasselbe wie für alle anderen: Es lohnt sich, mit einer Hausärztin oder einer Beratungsstelle darüber zu sprechen.
Grenzen benennen, ohne die Beziehung zu belasten
Grenzen wirken am besten, wenn sie konkret und vorhersehbar sind: Was können Sie zuverlässig leisten, was nicht? Ein klar benanntes „Ich kann heute Abend nicht telefonieren, morgen früh gerne“ ist verlässlicher als eine Zusage, die Sie später zurücknehmen müssen.
Sie sind keine Therapeutin und keine Notfallversorgung. Es ist in Ordnung, auf professionelle Stellen zu verweisen – gerade in Krisensituationen ist das der hilfreichste Schritt.
Entlastung finden
Angehörigengruppen, Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie Beratungsangebote von Selbsthilfeverbänden sind in Deutschland vielerorts kostenfrei erreichbar. Der Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage entlastet oft mehr als gut gemeinte Ratschläge aus dem Umfeld.
Hilfreich ist außerdem, sich bewusst kleine Inseln zu sichern: verlässliche Zeiten, in denen es nicht um die Erkrankung oder die Belastung der anderen Person geht.
