Der Weg zur Diagnose bei Minderjährigen
Bei Kindern und Jugendlichen beginnt der Weg fast immer in der Kinder- und Jugendarztpraxis oder Hausarztpraxis. Von dort aus wird – wenn nötig – an spezialisierte Stellen überwiesen.
Schritt 1: Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt
Die erste Anlaufstelle ist meist die Kinder- und Jugendärztin oder die Hausarztpraxis. Dort wird zunächst körperlich untersucht, ob es organische Ursachen für die Beschwerden gibt – etwa Schilddrüsen- oder Eisenstoffwechsel-Themen, die ähnliche Beschwerden auslösen können.
Bring gern konkrete Beobachtungen mit: Seit wann zeigen sich die Veränderungen, in welchen Situationen, wie häufig? Das hilft bei der Einschätzung mehr als allgemeine Sorgen.
Schritt 2: Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Psychotherapie
Zeigen sich Hinweise auf eine depressive Belastung, erfolgt die Überweisung an eine Kinder- und Jugendpsychiaterin, einen Kinder- und Jugendpsychiater oder eine:n psychologische:n Psychotherapeuten:in mit Zulassung für Kinder und Jugendliche. Dort wird in Gesprächen – mit dem Kind, den Jugendlichen und den Eltern – ein umfassendes Bild erstellt, ergänzt um standardisierte Fragebögen.
Auch Schule und Kita können mit einbezogen werden, wenn alle Beteiligten zustimmen. Wartezeiten auf Termine können je nach Region mehrere Monate betragen; bei dringenden Fällen sollte das aktiv angesprochen werden. Unterstützung bei der Terminsuche bietet die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116 117.
Behandlung: Therapie zuerst
Bei Kindern und Jugendlichen steht in der Regel die Psychotherapie an erster Stelle – häufig Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Verfahren, ergänzt durch die Einbindung der Eltern und, wenn sinnvoll, der Schule.
Eine medikamentöse Behandlung kommt bei Minderjährigen nur bei mittelschweren bis schweren Verläufen in Betracht und wird besonders vorsichtig abgewogen. Der Grund: Die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen sind im wachsenden Gehirn anders als bei Erwachsenen, und die Studienlage ist begrenzter. Solche Entscheidungen gehören ausschließlich in die Hände von Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie – nie in Eigenregie.
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Sie soll dir helfen, den Ablauf zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen.
Wenn es schnell gehen muss
Bei akuten Krisen – etwa wenn Suizidgedanken geäußert werden – nicht auf einen Therapieplatz warten. Anlaufstellen sind die Telefonseelsorge (0800 111 0 111), die Nummer gegen Kummer (116 111), der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) und in akuten Notfällen der Notruf 112 oder die nächste Klinik mit Kinder- und Jugendpsychiatrie.
