Anzeichen im Unterricht erkennen
Lehrkräfte sehen Kinder und Jugendliche über lange Zeiträume und im Vergleich zu Gleichaltrigen. Diese Perspektive ist wertvoll – nicht, um zu diagnostizieren, sondern um Veränderungen früh zu bemerken und sie beschreibbar zu machen.
Hinweise aus dem Autismus-Spektrum
- Deutlicher Bedarf an Vorhersehbarkeit; Vertretungsstunden oder Raumwechsel führen zu spürbarem Stress.
- Wörtliches Verständnis von Aufgabenstellungen, Schwierigkeiten mit impliziten Erwartungen.
- Rückzug in Pausen, Überforderung in lauten, hellen oder unstrukturierten Situationen.
- Hohe Kompetenz in Spezialgebieten bei gleichzeitig sehr wechselnder Alltagsbelastbarkeit.
Hinweise auf ADHS
- Aufgaben werden begonnen, aber selten abgeschlossen; Material und Termine gehen verloren.
- Große Unterschiede zwischen Interessenthemen und Pflichtaufgaben.
- Impulsive Beiträge, Bewegungsdrang – oder, gerade bei Mädchen, stilles Abschweifen ohne Störung.
- Starke emotionale Reaktionen auf Kritik oder Zurückweisung.
Hinweise auf depressive Belastung
- Zunehmende Reizbarkeit oder Gleichgültigkeit statt sichtbarer Traurigkeit.
- Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme, häufige Fehlzeiten oder Schulvermeidung.
- Rückzug aus Freundschaften, Aufgabe von Hobbys und Aktivitäten.
- Häufige körperliche Beschwerden ohne erkennbaren Grund, etwa Kopf- oder Bauchschmerzen.
Wie Sie Beobachtungen weitergeben
Hilfreich sind konkrete, datierte Beobachtungen statt Deutungen: „In den letzten sechs Wochen fehlte X an neun Tagen und hat in Gruppenarbeit nicht mehr mitgearbeitet“ sagt mehr als „X ist unmotiviert“. Solche Notizen sind eine gute Grundlage für Gespräche mit Eltern, Schulsozialarbeit oder dem schulpsychologischen Dienst.
Bei Hinweisen auf Selbstgefährdung gelten die schulischen Notfallpläne – und die Kriseninformationen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Nummer gegen Kummer 116 111, im Notfall 112.
